Beurteilung von Tennistraining durch Eltern – Überlegung zu Trainingsmethoden

Mein Trainerkollege Dirk Massing hat auf seiner Homepage einen separaten Bereich für Eltern eingerichtet und gibt Tipps, woran Eltern eine gut strukturierte Trainingsstunde (und damit auch einen guten Trainer?) erkennen.

Da bin ich ganz seiner Meinung:

  • Eine 1:1 Situation mit dem Trainer ist für jedes Kind motivierend und bringt Spaß.
  • Anspiel und Zuwurf vom Körper weg – das lernt man im ersten Trainerlehrgang.
  • Verlassen der Schlagfolge über die Winkelhalbierende –  Auch richtig, wobei ich versuche diesen Fachbegriff zu vermeiden und ich glaube, dass Eltern, die kein Tennis spielen, das von außen gar nicht nachvollziehen können.
  • Nur ca. ¼ der Zeit für Korbübungen – prinzipiell ja, denn Tennis ist ja ein Spiel und da soll man auch viel Spielen. Wobei je nach Trainingsziel die Verteilung auch variieren kann.

Die Aussagen waren für mich Grund ein paar Überlegungen zu meinem Training anzustellen. Hier das Ergebnis…

Grundsätzlich müssen wir Trainer uns darüber klar werden, dass jedes Kinder anders ist (in Alter, biologischer Entwicklung, Motorik, Motivation) und auch anders lernt. Dies begegnet uns vor allem da, wo wir die Gruppen nicht harmonisch einteilen können wie z.B. im Schultennis oder bei Training mit Großgruppen.

Daher versuche ich nach Möglichkeit unterschiedliche Methoden der Vermittlung anzuwenden.

Doch welche sind das überhaupt?

Da sind zum einen die „methodischen Reihen“ als klassisches Beispiel für eine geschlossene Vermittlungsmethode. Dabei werden Schläge in einzelne Teilbewegungen (z.B. Beinarbeit, Oberkörperrotation, Hauptaktion/Treffpunkt, Ausholbewegung bis zum Beschleunigungspunkt, Schlagvorbereitung) unterteilt, diese dann einzeln trainiert und am Ende wieder zu einer Gesamtbewegung zusammengeführt. Dies geschieht dann oft im Kolonnentraining mit Anspiel aus dem Korb. Der Vorteil hierbei ist, dass der Schüler sich immer nur auf einen Teil konzentriert und diesen unter gleichbleibenden Bedingungen (gleiches Anspiel des Trainers) übt. Der Nachteil liegt auf der Hand. Solche Situationen kommen im Spiel nicht vor, denn jeder Schlag kommt anders auf uns zu (in Drall, Länge, Geschwindigkeit). Es wird also nicht „matchnah“ trainiert. Und die Pausen, die wartende Spieler bei Korbübungen haben, können zu Unruhe oder Langeweile führen. Klar kann man diese Pausen mit Zusatzaufgaben füllen (z.B. wie beim Cardio Tennis durch die Leiter laufen), aber dann verschiebt sich der Fokus ggf. auf Ausdauer und die Konzentration liegt nicht mehr bei der Schlagausführung.

Die Übungen aus dem Korb (Schlagtraining) sind aber auch für fortgeschrittene Spieler wichtig, denn sie verhelfen zu Rhythmus, Sicherheit und Vertrauen in die Schläge. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass diesen Schlagübungen immer anwendungsorientierte Spiele/Spielübungen folgen, wo das Gelernte ausprobiert und angewendet werden kann. Außerdem sollte man beim Schlagtraining auch immer mit Zielen oder Zielflächen arbeiten. Damit schlage ich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Den einen helfe ich mit Technikanweisungen das Ziel zu treffen, den anderen genügt schon die Vorstellung das Ziel zu treffen und ihre Technik passt sich immer mehr an, so dass man dem Ziel immer näher kommt. Damit sind wir schon beim handlungs- oder problemorientierten Ansatz. Der Schüler erhält eine Aufgabe (z.B. Treffe die Zielfläche) und nähert sich durch Ausprobieren immer mehr der Lösung (die Zielfläche zu treffen).

Und vielleicht nicht unbedingt neu – doch durch den englischen Begriff wieder in aller Munde – ist die spielorientierte Methode (game based approach). Im Mannschaftstraining lasse ich ohnehin immer viel Spielen und „matchnah“ trainieren, weil hier Taktiktraining einen hohen Stellenwert hat. Aber auch im Anfängertraining soll und muss immer mehr gespielt werden. Beim „game based approach“ beginnt die Trainingseinheit mit einem Spiel bzw. einer Spielübung. Der Trainer erkennt dann Schwächen, isoliert diese und trainiert die Schläge (z.B. mit einer methodischen Reihe oder Schlagübung) und im Anschluss wird wieder (und dann hoffentlich erfolgreicher) gespielt. Dieser Ansatz ist für Trainer mitunter sehr schwer, denn man weiß im Vorfeld vielleicht nicht unbedingt, was sich als Schwäche herausstellt und wo die Trainingseinheit hinführt (das heißt die Planung ist nicht mehr so einfach, da spielt Routine eine große Rolle). Zudem können bei mehreren Spielern die Schwächen ja auch unterschiedlich sein. Dann kann man nicht jede Schwäche in einer Einheit behandeln und wird somit nicht jedem Schüler gleich gerecht.

Für den Trainer ist es wichtig, dass er die Ziele, die er mit der Trainingseinheit verfolgt (gleich welche Methode oder welchen Ansatz er einsetzt) auch klar kommuniziert. Weiter sollten die Ziele natürlich auch mit den Zielen des Schülers übereinstimmen. Kinder können diese Ziele aber nicht unbedingt formulieren, von daher gilt es hier die Eigenmotivation der Kinder einzuschätzen und in Ziele umzuformulieren.

Wie lautet nun mein Fazit?

Für Außenstehende gilt, dass sie – wenn überhaupt – eine Trainingsstunde nur dann beurteilen können, wenn sie diese ganz gesehen haben. Denn sonst heißt es schnell

„Das Training ist altmodisch“ (weil man nur das Kolonnentraining aus dem Korb gesehen hat) oder

„Der Trainer macht nix für sein Geld“ (weil man die Kinder nur hat Spielen sehen und der Trainer nebendran stand)

Für mich persönlich gilt – wie schon oben geschrieben – dass ich versuche viele  Methoden in eine Trainingseinheit einfließen zu lassen. An der Zielformulierung und auch gemeinsamen Abstimmung mit dem Schüler muss  ich noch arbeiten. Mir ist auf jeden Fall wichtig, dass ich Tennis als eine Spielsportart vermittele.

Und als ganz wichtig empfinde ich, dass auch meine Schüler Tennis als Spielsportart sehen und auch entsprechend spielen. D.h. Plätze reservieren, frei spielen und Matches machen. Denn allein vom Training ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Das Gelernte und Geübte muss ausprobiert werden – im Match und ohne den Trainer.

2 Gedanken zu „Beurteilung von Tennistraining durch Eltern – Überlegung zu Trainingsmethoden

  1. Rath Dieter

    Hallo,Marco,
    ich habe einige Fragen,wie ich das Tennistraining mit meinem Schüler gestalte.Er ist 45 Jahre alt,ist Hobbyläufer und konditionellgut in Form.Es geht vordringlich darum,wie ich ihm die Schlägerhaltung und Schlagtechniken vermitteln soll.Soll ich ihn nach jedem Fehler sofort korrigieren oder erst mal weiter spielen lassen und bei einer Pause seine Spielweise analysieren.Er sagt immer,daß er mehrereHinweise nicht auf eimal realisieren kann.
    Ich selbst bin 74 Jahre alt,spiele seit 20Jahren Tennis und aktuell Inder Medenrunde Herren 70 Bezirk A.Ich habe mich schon sehr viel in Sachen Tennis belesen und im Internet Lehrfilme angeasehen;eigentlich fast täglich.Ich würde michn über eine Rückantwort sehr freuen.Vielen Dank.GrußDieter

    1. marcowiemer

      Hallo,
      sorry für die späte Antwort. Den Kommentar hatte ich einfach übersehen.
      Ich würde nicht nach jedem Fehler korrigieren, sondern immer erst ein paar Schläge machen lassen. Und dabei dann methodisch vorgehen. Also immer den Fokus auf einen speziellen Bereich legen (Treffpunkt, Beinarbeit, Oberkörperrotation, Zuschlagbewegung….) Und dann auch nur dies korrigieren. So Schritt für Schritt mehr reinbringen. Ggf. auch erst auf einer kurzen Distanz (Kleinfeld) und dann immer größer.
      Später dann noch Zielfelder oder Richtungsvorgaben dazunehmen.
      Viele Grüße
      Marco

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